Home Fahrer & Fahrzeuge Fahrer kreutzer Bilder Blechgeschichten Teil 12: Das neue Beta Fahrwerk!

Blechgeschichten von kreutzer

Fahrer kreutzer
Kontakte: 4 Fahrzeuge: 3 Anzahl Besucher: 3049 Mitglied seit: 28.09.2007 Nachricht schreiben
Bilder: 2 Blechgeschichten: 11 Letzte Besuchercavallino, kreutzer, raki15
Pict1551_5049_thumb

 

Teil 12: Das neue Beta Fahrwerk! 14.02.2010

Über: Lancia Beta

Torsten benötigt für seinen Beta ein Sportfahrwerk. Das Coupe soll sehr, sehr tief auf der Straße liegen und natürlich etwa härter sein, als das originale Fahrwerk. Aber woher bekommt man so ein Fahrwerk, natürlich kosten günstig?

So sah das Ebay Auto nach dem Kauf und nach einer intensiven Torsten Politur aus.Original ist das Coupe doch ziemlich hoch, zu hoch für den Torsten, da besteht Handlungsbedarf!

Zu hoch!

Torsten nimmt sich ein Beispiel an meinem Beta, der ist schon gut tiefer gelegt.

Aber doch noch zu hoch, für den Torsten. Also, Thomas, lass dir mal etwas Neues einfallen, sagte Torsten zu mir.

Das ist der alte originale, vordere Stossdämpfer. Um wieviel muss ich jetzt die Feder kürzen, um die richtige Tiefe zu erreichen. An meinem Beta habe ich 1,5 Windungen abgeschnitten, aber bei extremen Bodenwellen schlägt die Feder durch, weil sie das Gewicht des Wagens nicht mehr halten kann. Torsten will seinen Beta noch tiefer haben, wie meiner. Da müsste ich mindestens 2 Windungen abschneiden. Dadurch würde die Feder das Gewicht des Wagens kaum noch halten können. Wie soll ich es also machen?

Die vorderen Federn haben 6 Windungen und eine Stärke von 13mm. Aus sechs mach vier Windungen, lautete mein Motto. Flex angeschmissen, zwei Windungen abgeschnitten und mit dem Brenner die obere Auflagefläche wieder angepasst. Vorsicht, bloss nicht die glühende Feder abschrecken, diese wird sonst glashart und bricht, also ganz einfach, langsam abkühlen lassen.

Torsten lackiert die Federn gleich und schon sehen diese wie neu aus.

Jetzt kommt meine Idee ins Spiel! Die abgeschnittenen Federn können das Gewicht des Wagens nicht mehr halten. Dicke, kürzere Federn habe ich leider nicht, aber wie wäre es, wenn man zwei kurze Federn benutzt? Hm, warum nicht! In meinem Lager habe ich noch Federn vom Lancia Y10 gefunden. Diese habe eine Stärke von 11mm und passen genau in die Beta Federn hinein. Diese inneren Federn müssen aber vom Stossdämpfer fixiert werden und dafür brauche ich zwei neue Fixierplatten aus Aluminium. Hier könnt Ihr schon einmal den Rohling sehen.

Der Rohling ist ziemlich hoch. Ich habe ihn noch einmal durchgesägt, aus eins mach zwei!

Jetzt erfolgt die Feinbearbeitung auf der Drehmaschine!

Da fliegen die Späne, das macht Spass!

Jetzt die Platte nur noch an dem Stossdämpfer festschrauben und schon hat die innere Feder eine gute Führung.

Das sieht schon ganz gut aus, das könnte funktionieren!

Die Platte ist jetzt festgeschraubt und nun kann ich an den Stossdämpfer gehen. Torsten will den Beta nicht nur tiefer haben, sondern auch härter. Dafür muss ich den Stossdämpfer zerlegen, das geht aber nicht bei allen Dämpfern vom Beta. Torsten hat Glück, seine Dämpfer lassen sich öffnen, zu sehen an der oberen, inneren Mutter. Mit einem Durchschlag und mit ein paar schlägen habe ich diese geöffnet.

Und das hier ist eigentlich der Dämpfer. Unten befindet sich ein Öldurchflussventil. Es saugt beim Herausziehen das Öl aus dem Federnbeingehäuse heraus in den inneren Zylinder. Beim Eintauchen strömt das Öl aus dem Zylinder in das Federbeingehäuse.

Das Ventil wird mit einer Rohrzange vom Zylinder durch leichtes hin und her drehen gelöst. Es ist nicht geschraubt, sondern nur gesteckt.

Jetzt kann man die Kolbenstange, den Kolben mit seinem Teflonring (siehe oben) und dem angeschweißten Anschlagring, mit Anschlaggummi, sehen.

Um eine Vorspannung der Fahrwerksfeder zu bekommen, muss man den Anschlag der Kolbenstange versetzen. Warum braucht man eigentlich eine Vorspannung? Hätte man diese nicht, kann sich beim Ausfedern die Fahrwerksfeder verkannten und brechen. Auch beim Aufbocken könnte sich die Feder aus ihren Sitz drehen und man hätte dann eine unterschiedliche Höhe der einzelnen Stossdämpfern. Also wird der Anschlag versetzt!

Die Punktschweissungen werden aufgebohrt und der Ring wird um 60mm versetzt und wieder angeschweisst.

Der Stossdämpfer mit seinen Innereien wird wieder zusammen gebaut. Bevor ich die Mutter aufgeschraubt habe, mußte ich den Stossdämpfer mit Öl füllen, Jetzt kommt die Frage nach dem richtigen Öl. Der Beta soll ja etwas härter als normal werden. Ich verwende Motorradgabelöl SAE 15 W. Es ist für Motorraddämpfer geeignet und ist dickflüssiger wie das Lancia Öl. Das heißt, das Öl läuft nicht so schnell durch das Stossdämpferventil und dadurch wird der Dämpfer härter. In jeden Stossdämpfer fülle ich 250 ml Öl ein und durch ständiges heraus ziehen und eindrücken der Kolbenstange habe ich den inneren Zylinder gefüllt. Dadurch merkte ich schon, wie schwer sich die Kolbenstange bewegen ließ, gegenüber den originalen Dämpfern. Außerdem merkt man auch noch, ob sich noch Luft in dem Zylinder befindet, dann schlägt er durch. So, jetzt kann ich die Mutter wieder aufschrauben und fertig ist der neue, harte Dämpfer.

So sehen die neuen Dämpfer aus und zum Vergleich steht links ein originaler Dämpfer. Später wird wieder alles zerlegt, gereinigt und lackiert,

Nochmals eine Nahaufnahme. Die original Feder hat zusammengebaut eine Länge von 340 mm und die Kurze eine Länge von 280 mm. Werden die 60 mm Unterschied für eine gute Tieferlegung langen? Wird das doppel Federprinzip auch funktionieren? Wir werden sehen!

Okay, so lackiert sieht es jetzt erst richtig gut aus!

Auch von oben!

Die Radaufnahmen wurden vom Torsten auch gereinigt und lackiert. Natürlich kamen dann auch neue Radlager zum Einsatz.

Jetzt wird das neue Fahrwerk eingebaut und das Schwarz hebt sich gut von dem Rot ab.

Es macht richtig Spass nun saubere, überarbeite Teile in einen frisch lackierten Wagen ein zu bauen.

Nun geht es an die hinteren Dämpfer. Torsten hat diese gereinigt und gleich lackiert.

Bei diesen Dämpfern hatte ich aber ein Problem. Sie lassen sich nicht öffnen, d. h. ich kann die Kolbenstange nicht kürzen, dadurch würde ich die Vorspannung nach dem Kürzen der Federn verlieren. Da brauch ich eine neue Idee!

Das Loch des oberen Aufnahmetellers habe ich so vergrößert, dass die Kolbenstange durch geht. Dadurch schlüpft die Stange durch den Teller und schaut nach dem Kürzen der Feder (1 Windung abgeschnitten) etwa 60 mm raus. Dadurch habe ich erstmal das Spiel zwischen Feder und Teller beseitigt, aber zwischen Anzugsmutter und Teller sind immer noch 60 mm Luft vorhanden. Also Drehmaschine angeschmissen und eine Hülse gedreht, die auf der einen Seite ein 60 mm tiefes Loch und den Durchmesser der Stange besitzt. Auf der anderen Seite befindet sich ein kleineres Loch, durch dieses nur das Gewinde der Kolbenstange durch ragt. Auf die Hülse schraube ich dann das Sicherungsblech und die Mutter, so hat der hintere Stossdämpfer auch wieder, nach dem Kürzen der Feder, eine gute Vorspannung.

Alles zusammen geschraubt und fertig ist der hintere, kürzere Dämpfer.

Torsten hat mal wieder verschiedene Farben gemischt und mit der dabei entstandenen Farbe die Reduzierhülsen lackiert. Geschmacksache, oder?

Da liegt es, das neue Sportfahrwerk. Mal sehen wie tief der Beta jetzt wird.

Torsten läßt aber den Beta erstmal bei seinem Freund Georg lackieren. Er muss aber bis spät in die Nacht schleifen und schleift bis zur Erschöpfung. Das nenn ich echte Oldtimer Liebe. Leider habe ich die Bilder von der Lackierung nicht mehr, dank eines Festplattencrashes an meinem Rechner, scheiß Technik!

Aber jetzt geht’s los. Das neue Fahrwerk wird eingebaut. Torsten ist schon ganz aufgeregt, das sieht man an der heraus hängenden Zunge.

Auch hinten baut Torsten die neuen Dämpfer ein.

Hm. das war woll nichts! Der Beta ist nicht viel tiefer, wie im Originalen, Mist. Die doppelten Federn haben zu viel Kraft, das Coupe kommt so nicht tiefer, da muss ich noch einmal ran!

Erstmal egal. Die Lackierung vom Georg ist perfekt geglückt. Das kann der Georg wirklich gut und günstig ist er auch. Torsten baut erstmal das Coupe zusammen.

Torsten hat bei der Farbauswahl wieder den original Lack ausgewählt. Übrigens, die Farbnummer stand innen auf der Kofferraumhaube. Ich finde diese original Farbe etwas zu orange, aber trotzdem gut!

Auch hinten ist der Beta noch zu hoch. Da besteht noch Handlungsbedarf!

Die Chromleisten von diesem Beta sind noch in einem sehr guten Zustand. Torsten hat diese nur etwas aufpolieren müssen.

Aber jetzt bin ich noch einmal dran. Die Stossdämpfer noch einmal zerlegt und eine Anschlagshülse von 100mm gedreht und zwischen Anschlag und Anschlaggummi montiert. Die vorderen Federn wurden noch einmal extrem gekürzt, bis nur noch 3 Windungen vorhanden waren. Hinten habe ich noch einmal eine Windung abgeschnitten, also insgesamt dann 2 Windungen. Torsten hat noch ein paar hintere Stossdämpfer aufgetrieben, die man aufschrauben kann. In diesen Dämpfern befinden sich Stossdämpferpatronen. Diese Patronen konnte ich in die Drehmaschine einspannen und dadurch die Kolbenstange kürzen. Jetzt hatte ich eine Vorspannung ohne die Reduzierhülsen. Außerdem habe ich die Patronen aufgebohrt, das Öl entfernt, Gewinde hinein geschnitten, neues Motorradgabelöl eingefüllt und mit einer Schraube(natürlich mit Kupferring) wieder abgedichtet. Jetzt war das hinter Fahrwerk nicht nur tiefer, sondern auch härter.

Das nenn ich mal einen kurzen Dämpfer, aber mit Doppelfeder!

Hier noch einmal zum Vergleich. Ganz rechts das originale Federbein, dann die ersten Versuche der Doppelfederung und links das Endergebnis.

Tiefer kann man den Beta nicht legen, sonst setzt der Auspuff und der Motorträger bei jeder Bodenwelle auf.

Hinten sieht die Tieferlegung mehr aus als vorne. Das hängt aber von Radlauf ab. Der vordere Radlauf ist etwas höher geschnitten, als der Hintere, deshalb dieser Unterschied.

So, das ist das Endergebnis. Viel tiefer kann man einen Beta nicht mehr legen. Der Motorhilfsrahmen hat nur noch 5 cm Bodenfreiheit. Der Auspuff mußte noch einmal abgeändert werden, weil dieser bei den kleinsten Unebenheiten auf der Straße Funkenflug erzeugte. Das ist auch das Endergebnis vom Ebay Auto. Es war viel Arbeit, aber es hat auch viel Spass gemacht und das Endergebnis ist schon gelungen.
Es wird aber noch ein Kapitel geben und zwar eine kleine Fotoserie vom fertigen Ebay Auto.

Diskussionen


Beiträge sortieren nach
Manni-A
Manni-A 19.02.2012

Kommentar zum Bild:

Wo lebst Du denn? Seit wann darf man Federn bzw. Windungen abschneiden? Willst Du nie mehr zum TÜV damit? :-)))

Lanciot
Lanciot 19.02.2011

Au weia.

Stevie10
Stevie10 07.11.2010

Hallo Thomas,

Deine Begründung leuchtet mir nicht ganz ein. Bleiben wir bei deinem Zahlenbeispiel: Wenn du die Feder um die Hälfte kürzst, ist die Federkonstante nachher doppelt so gross. Bei derselben Belastung, beispielsweise 500 kg, federt sie nur noch halb so viel ein. Sie sollte folglich das ursprüngliche Gewicht problemlos tragen können. Sehe ich zumindest vom Schiff aus so. Aber wenn's bei dir funktioniert hat, hast du zumindest praktisch schon mal recht ;-)

Viele Grüsse, Stefan

kreutzer
kreutzer 07.11.2010

Hallo Stefan,

nehmen wir einmal an das Fahrzeug wiegt 1000 Kg und das Gewicht wird auf 4 Federn verteilt, dann muss eine Feder 250 Kg tragen. Kürzt Du jetzt die Federn um die Hälfte dann können nur noch 500 Kg gehalten werden. Das Auto wird tiefer und die Feder wird weicher und schlägt bei jeder Unebenheit durch. Deshalb brauche ich eine zweite Feder, die das Gewicht wieder hält, aber in der Gesamtlänge kürzer ist. Das Auto wird tiefer und bleibt in etwa so hart wie die orginal Feder. Auf jedenfall funktioniert es.

Gruß

Thomas

Stevie10
Stevie10 06.11.2010

Super Arbeit. Und viel Geduld! Gratulation. Nur etwas habe ich nicht verstanden: Wenn du die Feder kürzst, indem du Windungen abschneidest, dann wird sie ja schon härter. Mit der zusätzlichen Feder wird das doch steinhart und unfahrbar? Es ist schon so wie du geschrieben hast: Mit einem Gewindefahrwerk geht es viel einfacher, vor allem die Feineinstellung der Fahrzeughöhe ... Wir haben's beim Alfa 75 so gemacht.

Gruss, Stefan

kreutzer
kreutzer 17.02.2010

Ich habe das Fahrwerk natürlich nur zum Stehen gebaut und nicht zum Fahren.

testosteron
testosteron 17.02.2010

Mensch Aaaalter. Das ist aber eine Bastelei!

Hut ab.

Kann man das noch fahren?

kreutzer
kreutzer 16.02.2010

Ich finde er müßte eigentlich vorne noch tiefer gelegt werden. Normalerweise verschwindet das Vorderrad im Radlauf, bei so einer Tieferlegung. Es ist aber immer noch ein Spalt zwischen Radlauf und Rad zu sehen. Wie schon im Bericht erwähnt, ist der Radlauf vorne, vom Werk aus, zu hoch gelegt. So ergibt sich keine Keilstellung, also vorne tiefer, wie hinten. Eher umgekehrt, aber trotzdem sieht es besser aus, wie vorher, mit dem original Fahrwerk. Die Fahreigenschaften sind auch sehr gut und der gemachte 1,6 Litermotor ist sehr drehfreudig und hängt schön am Gas.

Übrigens ensteht so ein Fahrwerk aus der Not heraus. Für den Beta gibt es, so weit ich weiß, kein Sportfahrwerk und wenn, ist dies wahrscheinlich dann auch noch sau teuer.

webmatze
webmatze 15.02.2010

Sehr interessante Konstruktion. Mir persönlich wäre das schon viel zu tief. :)

zers
zers 15.02.2010

Wahnsinn, toll Arbeit, tolles Auto! Gratulation, da wirst bestimmt viel Freude damit haben.

  • 5.0 BEWERTUNG ABGEBEN

  • AUF DEM MERKZETTEL PARKEN

  • DIESE SEITE WEITEREMPFEHLEN

  • NACHRICHT AN DEN FAHRER


Seite empfehlen:

  • Misterwong
  • Oneview
  • Favoriten
  • Delicious
  • Digg
  • Stumbleit