Karl-Heinz Kalbfell: Bei der Bosch Boxberg Classic 2011
Im Schalensitz Nr. 76
Die etablierte Rallye der Firma Bosch stand in diesem Jahr ganz im Zeichen der Jubiläen: 125 Jahre Automobil und 125 Jahre Bosch. Neben der Fahrt auf dem Testgelände Boxberg freuten sich die rund 200 Teams, welche übrigens aus über 350 Bewerbern ausgewählt werden mussten, besonders auf die Runden auf der gesperrten Solitude-Rennstrecke am Samstag. Mit über einer Stunde Verspätung ging es los und die Boxberg-Klassik-Teilnehmer ließen sich auch durch die Geschwindigkeitsbegrenzungen den Spaß nicht nehmen.
Auf der Boxberg-Teststrecke am Sonntag hatten die Teams zwölf Wertungsprüfungen zu absolvieren, wobei vor allem die schnelle Fahrt auf der Steilwandstrecke hervorzuheben ist. Karl-Heinz Kalbfell war mit dem von der Windreich AG elektrifizierten Jaguar E (im schalensitz Nummer 66 über Frank Stippler) dabei.
Eine eindrucksvolle Erfolgsbilanz zeugt von der Power, mit der Kalbfell dieses Credo durchsetzte. Unzählige nationale und internationale Meisterschaften wurden in seiner Dienstzeit auf Autos mit dem weiss-blauen Emblem gewonnen. «Zu den Highlights zählen Roberto Ravaglias Titelgewinn in der DTM 1989 auf dem Schnitzer M3 und der Sieg in Le Mans 1999 mit dem BMW V12 LMR mit dem Trio Dalmas/Martini/J. Winkelhock », sagt Kalbfell. Und mit Bezug auf seine spätere hohe Funktion im Fiat-Konzern fügt er hinzu:«Aber der zweimalige Gewinn der Sportwagen-WM mit Maserati 2005 und 2006 war auch sehr herzerwärmend. Zu den Heldentaten des Karl-Heinz Kalbfell gehört zweifellos auch jenes leidenschaftliche Engagement, mit dem er sich für den Wiedereinstieg von BMW (2000) in die Formel 1 in die interne Schlacht warf.
Nach seiner Tätigkeit für Rolls-Royce, Alfa Romeo und Maserati arbeitet Kalbfell heute von seinem Münchner Büro aus als selbstständiger Berater. Zu seinen Kunden zählen der deutsche Sportwagenbauer Artega, der russische Fahrzeughersteller GAZ und der große österreichische Autozulieferer Magna. Außerdem sitzt er in einigen Aufsichtsräten. Die freie Zeit, die ihm bleibt, verbringt er mit seiner Frau Marianne in seinem Haus in der Toscana. Auch von dort hält der 60-Jährige Kontakt zu den Partnern von früher. Mit den Teams von Schnitzer und Bigazzi verbindet ihn noch heute mehr als nur der gemeinsame Erfolg. Den größten persönlichen Eindruck haben bei ihm Frank Williams und Paul Rosche hinterlassen.
Zu den interessantesten Fahrern fällt ihm spontan ein: «Johnny Cecotto als Profi – ein detailversessenes Energiebündel. Und Jockel Winkelhock – den konntest du auf die Piste schicken, mit was Du wolltest, der hat immer das Maximum herausgeholt. » Auch für den aktuellen Motorsport interessiert sich Kalbfell nach wie vor: «Der GP1-Motorradsport fasziniert mich ebenso wie die Automobil- Langstreckenrennen. Die heutige Formel 1 empfinde ich aber als zu steril und klinisch.» Bei aller Liebe zum Rennsport hat er seine kritische Distanz bewahrt.
(Die Auszüge seiner Vita schrieb Uwe Mahla)
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